Was passiert mit Retouren von Onlineshops? Ein Teil geht nach der Prüfung zurück in den Bestand, ein anderer Teil wird zusammen mit Überbeständen und unzustellbaren Paketen in großen Mengen an Großhändler und Wiederverkäufer weiterverkauft. Das ist kein Zufall, sondern eine Rechnung: Prüfen, Umverpacken und Lagern kosten Geld, und dieses Geld steht oft in keinem Verhältnis zum Wert des Artikels. In diesem Artikel lesen Sie, wie diese Rechnung funktioniert, was die Herkunft einer Partie über den Zustand aussagt und warum der Verkauf pro Kilogramm für beide Seiten des Tisches logisch ist.
Retoure, Überbestand und NPAI: drei Ströme mit jeweils eigenem Zustand
Unter dem Sammelbegriff Retourwaren verbergen sich in der Praxis drei verschiedene Ströme, und die Herkunft sagt viel darüber aus, was Sie erwarten dürfen. Eine Retoure wurde von einem Verbraucher bestellt, empfangen und zurückgeschickt; der Grund reicht von der falschen Größe bis zum Defekt. Ein Überbestand war nie bei einem Verbraucher: Es handelt sich um Ware, die der Verkäufer über den regulären Kanal nicht mehr absetzen kann, etwa nach einer Saison oder einem Sortimentswechsel. NPAI, also nicht zugestellt oder unzustellbar, betrifft Pakete, die den Empfänger nie erreicht haben und in der Regel noch verschlossen sind.
Bei CNJ sehen Sie diesen Unterschied in der Grade-Angabe und in der Beschreibung jeder Produktlinie. Amazon Overstock Boxes sind A-Grade, Amazon Versandtaschen (BP2) sind verschlossene NPAI-Pakete, und die Paketretouren Small/Mid von DHL, Hermes und GLS sind A–B-Grade. Keine Herkunft bietet eine Garantie auf Inhalt oder Zustand; Fotos sind repräsentative Beispiele, und Artikel können unvollständig, gebraucht oder ungeprüft sein.
- Retoure: möglicherweise geöffnet, gebraucht, unvollständig oder defekt; die Verpackung kann beschädigt sein.
- Überbestand: in der Regel unbenutzt, die Verpackung kann jedoch Spuren von Lagerung und Transport aufweisen.
- NPAI: meist noch verschlossen, Inhalt unbekannt; der Grund der Nichtzustellung sagt nichts über die Qualität aus.
Warum die Prüfung einer Retoure oft mehr kostet, als der Artikel wert ist
Für einen Onlineshop ist ein zurückgeschickter Artikel kein kostenloser Bestand. Das Paket muss geöffnet, der Artikel identifiziert, auf Vollständigkeit und Schäden geprüft, gegebenenfalls getestet, neu verpackt und an der richtigen Stelle im Lager eingeräumt werden. Jeder Schritt kostet Arbeitszeit und Systembuchungen, und diese Kosten sind pro Artikel ungefähr gleich, ob es sich um eine Handyhülle für ein paar Euro oder um eine Kaffeemaschine handelt.
Bei günstigen Artikeln übersteigen diese Bearbeitungskosten schnell die Marge, die der Onlineshop bei einem zweiten Verkauf noch erzielen könnte. Hinzu kommt, dass ein geöffneter Artikel in der Regel nicht mehr als neu angeboten werden kann und damit ohnehin in einem separaten Outlet-Strom landet, mit eigener Fotografie, eigenen Beschreibungen und eigenem Kundenservice. Für viele Verkäufer ist es dann rationaler, Retouren ungeprüft zu bündeln und in großen Mengen an einen Abnehmer zu verkaufen, der das Sortieren zu seinem Beruf gemacht hat.
Lagerkosten, Saison und Veralterung: warum Bestand nicht warten kann
Auch Artikel, die noch in gutem Zustand sind, kosten Geld, solange sie im Lager stehen. Jede Palette belegt Fläche, die sonst für schnell drehende Ware genutzt werden könnte, und Lagerfläche wird üblicherweise pro Quadratmeter oder pro Palettenstellplatz abgerechnet. Für einen Onlineshop, der seinen Bestand mehrmals im Jahr umschlagen will, ist eine Palette mit langsam laufenden Retouren und Restposten vor allem ein Hindernis.
Saisonartikel und Elektronik verschärfen dieses Problem. Gartenartikel, Festtagsdekoration und Spielzeug rund um Nikolaus und Weihnachten verlieren nach der Saison einen großen Teil ihrer Verkaufschance, und bei Elektronik und Zubehör erscheint oft in absehbarer Zeit ein neueres Modell. Wer zu lange wartet, verkauft nicht nur später, sondern auch zu einem niedrigeren Preis. Ein schneller Mengenverkauf macht Fläche und Kapital frei, solange es noch darauf ankommt.
Unzustellbare Pakete: warum Versender nicht alles zurückschicken
Ein Paketdienst hat täglich mit Sendungen zu tun, die nicht zugestellt werden können: eine falsche oder unvollständige Adresse, ein Empfänger, der nicht zu Hause ist und das Paket nicht abholt, eine verweigerte Annahme oder ein beschädigtes Label. Die Rücksendung an den Absender scheint der logische Schritt, kostet aber erneut Transport und Handling, und bei einem unleserlichen Label oder einem Absender außerhalb des Netzwerks ist sie nicht immer möglich.
In der Praxis werden solche Pakete deshalb eine Zeit lang aufbewahrt und danach abgeschrieben, woraufhin sie verschlossen und nach Gewicht an Großhändler angeboten werden. Das ist die Herkunft eines Produkts wie der Amazon Versandtaschen (BP2): originale kleine Pakete in Papierversandtaschen, deren Inhalt vorab niemand kennt. Wir betonen an dieser Stelle, dass CNJ ein unabhängiger Großhändler ist; die Namen Amazon, DHL, Hermes und GLS beschreiben ausschließlich die Herkunft der Waren.
Warum der Verkauf pro Kilogramm für beide Seiten logisch ist
Wer eine Partie aus Tausenden gemischter Artikel einzeln bewerten wollte, holte sich genau die Arbeit zurück, die der Verkäufer vermeiden wollte. Gewicht dagegen ist objektiv, schnell messbar und für beide Parteien nachprüfbar. Der Verkäufer schafft in einer einzigen Transaktion Platz, erhält einen kalkulierbaren Betrag und muss keinen Kundenservice mehr für einzelne Artikel leisten. Der Großhändler kauft Volumen zu einem Preis, der zur Ungewissheit über den Inhalt passt.
Für Sie als Wiederverkäufer liegt genau darin die Chance: Sie kaufen zu einem festen, öffentlichen Preis pro Kilogramm — bei uns je nach Produktlinie € 4,25 bis € 6,00 pro kg, zzgl. MwSt. und Fracht — und verdienen Ihre Marge mit Sortieren, Präsentieren und Verkaufen über einen Kanal, für den der Onlineshop selbst keine Zeit hat. Die Kehrseite ist, dass Sie die Ungewissheit mit einkaufen. Rechnen Sie deshalb nie mit dem theoretischen Ladenwert einer Partie und beginnen Sie mit einer Probepartie, um Ihre eigenen Zahlen zu ermitteln.
- Kaufen Sie Überbestände, wenn Sie unbenutzte Artikel für den Outlet- oder Ladenverkauf suchen.
- Kaufen Sie Paketretouren, wenn Sie Zeit haben, zu testen und pro Stück zu bepreisen.
- Kaufen Sie NPAI-Pakete, wenn das Überraschungselement selbst Ihr Produkt ist, wie bei Mystery Boxen.
- Verlangen Sie immer eine Rechnung und kaufen Sie bei einem Großhändler, der Herkunft und Zustand ehrlich beschreibt.
Weiterverkauf statt Vernichtung: die Kreislauf-Seite
Für einen Verkäufer ist die Vernichtung manchmal der günstigste Ausweg, vor allem bei Artikeln mit geringem Wert und hohen Bearbeitungskosten. Der Weiterverkauf in großen Mengen bietet eine Alternative, bei der das Produkt doch noch einen Endnutzer erreicht, ohne dass der ursprüngliche Verkäufer weitere Arbeit damit hat. Zum genauen Umweltnutzen machen wir keine Aussagen, denn er hängt vom Produkt und von der Kette als Ganzes ab, aber die Richtung ist klar: Ein Artikel, der doch noch verkauft wird, muss nicht erneut produziert werden.
Für Wiederverkäufer ist das auch eine Geschichte für die eigenen Kunden, sofern Sie sie ehrlich erzählen: Retourwaren bekommen eine zweite Chance, ohne Versprechen über Einsparungen, die Sie nicht belegen können. Mehr über diese Seite des Handels lesen Sie in unserem Artikel über Retourwaren und die Kreislaufwirtschaft.
Retouren, Überbestände und unzustellbare Pakete werden weiterverkauft, weil Prüfen, Lagern und Warten den ursprünglichen Verkäufer mehr kosten, als ein schneller Mengenverkauf pro Kilogramm einbringt. Für Sie als Wiederverkäufer bedeutet das Zugang zu Waren zu einem öffentlichen Kilopreis, mit der Ungewissheit über den Inhalt als Gegenleistung. Wer die drei Ströme auseinanderhält und seine erste Partie klein hält, kann diese Ungewissheit gut beherrschen. Möchten Sie selbst ein Mystery-Box-Geschäft aufbauen? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf — wir beraten Sie gern zu einer passenden ersten Partie.
Häufig gestellte Fragen
- Werden Retouren von Onlineshops wirklich vernichtet?
- Ein Teil ja, vor allem Artikel mit geringem Wert, bei denen Prüfung und Lagerung mehr kosten, als ein zweiter Verkauf einbringt. Andere Retouren gehen zurück in den Bestand oder werden in großen Mengen an Großhändler und Wiederverkäufer weiterverkauft. Die Anteile unterscheiden sich je nach Verkäufer und Produktgruppe; dazu machen wir keine Aussagen.
- Sind Retourwaren aus Onlineshops neu oder gebraucht?
- Das hängt vom Strom ab. Überbestände sind in der Regel unbenutzt, eine Retoure kann geöffnet, gebraucht oder unvollständig sein, und ein unzustellbares Paket (NPAI) ist meist noch verschlossen, aber von unbekanntem Inhalt. Ein Großhändler kennzeichnet dies mit einem Grade, ohne Garantie auf den Zustand einzelner Artikel.
- Warum werden Retourenpartien pro Kilogramm verkauft?
- Weil Gewicht objektiv und schnell messbar ist, während die Einzelbewertung Tausender gemischter Artikel genau die Arbeit ist, die der Verkäufer vermeiden will. Der Kilopreis spiegelt die Ungewissheit über den Inhalt wider: Sie zahlen für Volumen, nicht für einen versprochenen Ladenwert. Ermitteln Sie mit einer Probepartie, was ein Kilo in Ihrem Kanal einbringt.
